02.06.2026
Vom Rosenbeet in die Destille - Meine erste Rosenblütendestillation in der Kupferdestille
Manche Wünsche begleiten uns viele Jahre. Einer davon war eine eigene Kupferdestille - sie stand schon lange ganz oben auf meiner Liste.
Bisher arbeitete ich mit einer kleinen Wanderdestille aus Glas mit einem Fassungsvermögen von nur 0,5 Litern. Für erste Erfahrungen und für unterwegs ist sie wunderbar geeignet, doch schnell stieß ich an ihre Grenzen: es können nur sehr kleine Mengen Pflanzenmaterial destilliert werden und eine Wasserdampfdestillation ist damit nicht möglich.
Lavendelblütendestillation mit 0,5 ltr.-Glasdestille
Gerade bei Rosenblüten zeigte sich das deutlich. Zum einen reicht das Fassungsvermögen nicht aus, zum anderen bilden die Blüten während des Destillationsvorgangs eine weiche, geleeartige Masse, die den Durchzug des Wasserdampfs behindert oder sogar vollständig verhindert.
Dabei gehört Rosenwasser zu meinen Favoriten unter den Hydrolaten. Ich verwende es fast täglich als Gesichtswasser, zur Augenentspannung, für Schüttellotionen, zur Körper- und Intimpflege, als Körperumfeldspray und sogar in der Küche. Was lag also näher als die „Königin der Blumen“ eines Tages selbst zu destillieren?
Zu meinem Geburtstag habe ich mir diesen Traum schließlich erfüllt. Nach einer ausgesprochen freundlichen und kompetenten Beratung bei Destillatio entschied ich mich für eine Destille im klassischen Alembikstil mit moderner Kolonne und dem in Deutschland erlaubten Fassungsvermögen von zwei Litern.
Wie so oft im Leben kamen mehrere schöne Dinge zusammen: nach dem Abschluss eines größeren Projekts hatte ich endlich wieder Zeit, mich intensiver mit der Destillation zu beschäftigen. Gleichzeitig lud mich ein befreundeter Biogärtner in seinen Naturgarten ein. Dort kultiviert er eine beeindruckende Vielfalt an Rosen, darunter auch einige außergewöhnlich duftende Sorten.

Besonders angetan hat es mir die „Gräfin von Hardenberg“. Ihre dunkelroten, üppig gefüllten Blüten verströmen einen betörenden Duft. Das tiefe Rot der Rosenblätter und der warme Glanz der Kupferdestille ergaben zusammen ein wunderschönes Bild.
Gräfin von Hardenberg im Garten
An einem frühen Morgen ernteten wir die voll aufgeblühten Blüten und begannen direkt mit der Destillation. Für Rosen eignet sich eine Wasserdestillation besonders gut. Dabei werden die Blüten direkt im Wasser destilliert. Bei der Wasserdampfdestillation hingegen verkleben die Blütenblätter stark, sodass der Wasserdampf nur schwer hindurchdringen kann.
Für meine erste Destillation verwendete ich 120 Gramm frische Rosenblütenblätter und 1,3 Liter Wasser.
Schon nach kurzer Zeit erschienen die ersten Tropfen im Auffanggefäß. Es war ein besonderer Moment, als das duftende Hydrolat in die Schale floss – intensiv blumig, weich, rosig und überraschend voll. Ich hatte ursprünglich erwartet, dass eine Rosenblütendestillation kompliziert ist und war daher umso mehr erstaunt, wie mühelos, gleichmäßig und ertragreich sie verlief. Nach etwa einer Stunde erhielten wir rund 130 Milliliter Rosenhydrolat.
Ganz ohne Lernen geht es allerdings nicht. Der Aufbau und die Einstellung des Kühlkreislaufs verlangen Aufmerksamkeit. Höhe der Schläuche, Fließgeschwindigkeit des Kühlwassers und Temperatur müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Läuft zu viel Wasser in den Kühler, kann das bereits vorhandene Wasser nicht schnell genug abfließen – und das gesamte Destillationssetup kann überlaufen.
Offener Wasserablauf bei der Destillation
Geschlossener Kühlkreislauf bei der Destillation
Bei der ersten Destillation arbeitete ich mit einem offenen Wasserablauf, da ich nicht sicher war, ob die Kühlung ausreichend stabil bleibt. Für die zweite nutzte ich einen geschlossenen Kühlkreislauf: eine kleine Aquariumpumpe beförderte das Kühlwasser aus einer Kunststoffwanne in den Kühler, von dort floss es wieder zurück. Zusätzlich sorgten Kühlakkus aus dem Gefrierschrank in der Wanne für eine konstant niedrige Temperatur. Das funktionierte hervorragend.
Am Ende hielt ich mein erstes selbst destilliertes Rosenhydrolat in den Händen – ein Moment großer Freude. Der Duft dieses Rosenwassers erinnert mich jedes Mal an den Morgen im Rosengarten, an die dunkelroten Blüten der „Gräfin von Hardenberg“ und an die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. Besonders schön war auch die gemeinsame Erfahrung mit meinem Rosenfreund, der die Verwandlung seiner „Gräfin“ in ein duftendes Pflanzenwasser mit spürbarer Begeisterung verfolgt hat.
Nun freue ich mich darauf, die kommende Saison zu nutzen. Pfefferminze, Lorbeer, Lavendel und viele weitere Pflanzen warten darauf, ihre Duft- und Wirkstoffe in Hydrolaten zu entfalten. Die erste Rosenblütendestillation war sicher erst der Anfang dieser Reise mit meiner neuen Kupferdestille.
Was Du bei einer Rosenblütendestillation beachten solltest!
• Rosenblüten sollten frisch und voll aufgeblüht geerntet werden. Und zwar in den frühen Morgenstunden.
• Die Rosen sollten nicht mit künstlichem Dünger gedüngt sein. Bio ist wichtig!
• Für Rosen eignet sich die Wasserdestillation am besten.
• Das Pflanzenmaterial nicht zu stark verdichten, sonst gibt es einen Stau im System.
• Die richtige Temperatur ist für die Qualität entscheidend. Halte daher den Kühlkreislauf stabil.
• Langsamer, gleichmäßiger Destillationsverlauf bringt bessere Hydrolate.
• Geduld und Konzentration sind wichtige Voraussetzungen für eine gelungene Destillation.
Kann man Rosen wirklich selbst destillieren?
Ja – mit der richtigen Destille und frischen Blüten ist das gut möglich.
Welche Destillation eignet sich für Rosen?
Wasserdestillation hat sich für die Rosendestillation besonders bewährt.
Admin - 17:09 @





